Putins Militärstrategie (im Sinne von Sunzi)

Wenn Militärstrategie auf Unwissenheit und grenzenlose Naivität trifft.


Im Jahr 2014 wurde das nachfolgende Bild der vier Verteidigungsministerinnen aus Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Deutschland veröffentlicht. Diesen vier Damen wurde damals die Sicherheit ihrer Länder und somit ein Teil der Sicherheit des Bündnispakts der NATO in Europa anvertraut.


Nachdem von der Leyen trotz ihres fragwürdigen Doktortitels zur Präsidentin der Europäischen Kommission avisierte, wurde ihr Amt von Annegret Kramp-Karrenbauer (Studium: Politik- und Rechtswissenschaften) an Christine Lambrecht (Studium: Jura und Verwaltungswissenschaften) übergeben. Somit gibt es in Deutschland die "dritte Ministerinnen-Generation" in der Verteidigung, deren Vertreterinnen weder über praktische Erfahrungen in der Landesverteidigung verfügen, noch sich überhaupt mit den hierfür notwendigen Grundelementen der Taktik und Strategie auskennen. Auf europäischer Ebene sieht es nicht besser aus.


Diesem Umstand mag es geschuldet sein, dass Lamprecht davon gesprochen hat, "Putin ins Visier" zu nehmen und man auf europäischer Ebene Vorschläge Putins zur Deeskalation im Ukraine-Konflikt und im zukünftigen Umgang mit Russland, nicht nur ablehnend gegenüber steht, sondern Putin offen und zum Teil brüsk kritisiert. Interessanter Weise wurden Putins Vorschläge von den USA positiv aufgenommen.























Quelle: Rhein-Zeitung



NATO Osterweiterung


In der nunmehr zugespitzten Situation sollte nicht unerwähnt bleiben, dass im Zuge der deutschen Wiedervereinigung eine NATO-Osterweiterung niemals Gegenstand der Verhandlungen mit Gorbatschow gewesen ist, da damals noch der "Warschauer Pakt" bestand und eine solche Erweiterung faktisch unmöglich gewesen wäre. Nach dem Zusammenbruch der östlichen Allianz rückte die NATO jedoch Stück für Stück weiter an Russland heran. Das militärische Verhalten der NATO erinnerte an ein überdimensionales "Risiko-Spiel", wo man seine Truppen immer näher an den Gegner heranführt und kontinuierlich aufstockt, bis es dann zwangsläufig zu einer Eskalation kommen muss. Wenn man in diesem Zusammenhang von einem Aggressor sprechen kann, so war es auf militärischer Ebene die NATO und auf wirtschaftlicher Ebene die EU.


Ganz aktuell hat sich Gorbatschow zu den Abläufen im Zusammenhang mit dem Zerfall der Sowjetunion und des Warschauer Paktes geäußert:


"Die Arroganz und das Selbstbewusstsein stiegen ihnen zu Kopf. Sie schrieben sich den Sieg im Kalten Krieg zu. Trotz der Tatsache, dass wir zusammen die Welt aus der Konfrontation, aus einem nuklearen Wettlauf herausgezogen haben. Nein, die 'Sieger' beschlossen, ein neues Imperium zu errichten. Daraus entstand die Idee der NATO-Erweiterung."


Überraschend für viele selbsternannte "Militärexperten" lief nun vor einigen Tagen die Meldung über die Ticker der Nachrichtenagenturen, dass Russland mehr als 10.000 Soldaten aus dem ukrainischen Grenzgebiet abgezogen, und in die Kasernen zurückgeführt hat. Auch wenn noch eine große Anzahl von Soldaten und Material vor Ort ist, so suchen die europäischen Politiker nach für sie akzeptablen einer Begründung, da sie sich doch so sicher gewesen waren, dass Russland zum neuen Jahresbeginn in die Ukraine einzumarschieren würde. Dieses russische Verhalten passt so rein gar nicht zu den bisherigen europäischen Überlegungen und Planungen.


Die Kunst des Krieges - nach Sunzi


Wenn man versucht Putin zu charakterisieren sollte man nicht vergessen, dass er einst für den KGB nachrichtendienstlich in der DDR tätig gewesen ist und ihm allein schon aus dieser Tätigkeit heraus Begriffe wie "Taktik" und "Strategie" nicht fremd sind.


Zu den Ausbildungen führender Militärakademien der Welt gehören die Strategien von Sunzi. Über Sunzi ist nicht viel bekannt. Er lebte zwischen 534 und 453 vor Christus. Seine Lehren und seine Weisheiten in Bezug auf taktische Verhaltensweisen und eine strategische Kriegsführung sind bis heute nicht nur anerkannt, sondern sie lassen sich auch vielfältig im Alltag einsetzen.


Sunzis zusammengefasste Werke („Sunzi über die Kriegskunst“), welche heute unter dem Titel "Die Kunst des Krieges" nachvollzogen werden können, befassen sich mit 13 Punkten:

  1. Planung (Strategie)

  2. Über die Kriegskunst (Kriegsführung)

  3. Das Schwert in der Scheide (Angriff mit Strategie)

  4. Taktik (Disposition militärischer Stärke)

  5. Energie (Nutzung der Kraft)

  6. Schwache und starke Punkte (Schwächen und Stärken)

  7. Manöver (Kampf um die Initiative)

  8. Taktische Varianten (Neun Varianten der Taktiken)

  9. Die Armee auf dem Marsch (Marsch)

  10. Terrain (Gelände)

  11. Die neun Situationen (Neun Varianten der Gebiete)

  12. Angriff durch Feuer (Feuerangriff)

  13. Der Einsatz von Spionen (Einsatz von Spionen)

Wo schließt sich nun der Kreis?


Putin ist ein brillanter (Militär-) Stratege. Seine Ziele sind mittel- und langfristig ausgelegt und nachvollziehbar, denn niemand in vergleichbarer Position hätte Interesse dran, dass ein Militärbündnis so aggressiv Truppen um einen Teil des eigenen Landes zusammenziehen würde und das Regierungen, welche einst zu den Verbündeten (Warschauer Pakt) gehörten, nun gegen die eigenen Interessen kollaborieren.


Die Halbinsel Krim, welche Nikita Chruschtschow 1954 an die ukrainische Sowjetrepublik quasi verschenkt hatte, gehört faktisch zu Russland und somit ist der Rechtsanspruch und das militärische Einschreiten verständlich. Der NATO geht es weder um die Menschen auf der Krim, noch um wirtschaftliche Interessen, sondern einzig allein um den strategischen Vorteil, welcher sich von dieser Lage gen Moskau, aber auch gen Süden zum Schwarzmeer ergibt.


In seinen Vorschlägen zu Deeskalation fordert Putin (Quelle Bild.de):

  • dass eine weitere Nato-Erweiterung und den Beitritt der Ukraine zum Bündnis ausgeschlossen werden soll,

  • dass keine zusätzlichen Militärs und Waffen in Nato-Staaten (nach Bündniseintritt 1997) stationiert werden sollen, außer in Ausnahmefällen mit Zustimmung Russlands,

  • dass alle militärischen Aktivitäten in der Ukraine, Osteuropa, Transkaukasien und Zentralasien aufgeben werden sollen,

  • dass keine Mittel- und Kurzstreckenraketen dort eingesetzt werden sollen, wo sie das Territorium der anderen Seite treffen können,

  • dass Übungen und andere Aktionen nicht mit mehr als einer Brigade in der vereinbarten Grenzzone durchgeführt werden dürfen,

  • die Bestätigung, dass sich Nato und Russland nicht als Gegner betrachten, dass man eine Vereinbarung zur friedlichen Beilegung aller Streitigkeiten festigen und auf die Anwendung von Gewalt verzichten möchte,

  • dass man sich verpflichten solle, keine Bedingungen zu schaffen, die von der anderen Partei als Bedrohung wahrgenommen werden könnten.

Um seinen Forderungen Ausdruck zu verleihen, führte er im Sinne von "Sunzi" eine Provokation der militärischen Stärke, mit einem "Nebenkriegsschauplatz" dem russischen Gas, durch.



Gerade in der heutigen Zeit und den technischen Möglichkeiten sollte eigentlich niemand ein Interesse an einer militärische Eskalation im großflächigem Stile haben. Bei dem überheblichen und naiven Gebaren der NATO, insbesondere dieses eher auf Eskalation bedachten Generalsekretärs Stoltenberg, kann man sich da jedoch nicht unbedingt sicher sein.


Die Deutschen machen es Putin aber auch besonders leicht. Die hier vertretene Mentalität, dass der Strom aus der Steckdose und die Wärme aus der Heizung kommt, kann jäh scheitern. Durch die Abschaltung von drei Atomkraftwerken zum Jahreswechsel steigt die Gefahr eines Blackout. Dadurch, dass man Putin weiter unter Druck zu setzen versucht und somit die regulären Gaslieferungen Russlands beeinträchtigt, gefährdet man durch die zusätzliche Nichtgenehmigung von der Erdgas-Pipeline Nordstream2 unmittelbar und vorsätzlich die Kritische Infrastruktur unseres Landes in Bezug auf unterschiedliche Energieträger.


Während Putin nur altgediente Militärstrategien der Vergangenheit auf die Neuzeit anwendet, verfallen alle sogenannten Militärexperten und Verteidigungsminister in blanke Panik und drohen, obwohl sie eigentlich wissen müssten, dass die über Jahre hinweg heruntergewirtschafteten Militärs in Europa, einem wirklichen Gegner nichts entgegenzusetzen hätten. Ob der verpuffenden Drohungen müsste das Gelächter im Kreml sehr groß (gewesen) sein. Noch größer wird es in China sein, welche der wahre Nutznießer dieser Streitigkeiten ist und weltweit sein Wirtschaftsimperium stärkt, während man bei uns gendergerecht "rosa Truppen" schafft, welche sich eher in der Sexualität von 64 Geschlechtern (sorry, sollten es inzwischen mehr geworden sein), als in der Landesverteidigung oder der militärischen Logistik und Strategie auskennen, und sich bei Übungen eher in einem benachbarten Center Park einquartieren, als dass sie selber Unterkünfte und Verpflegung im Feld sicherstellen.


Es geht hier ausschließlich um Taktik und Strategie - etwas, wovon europäische und insbesondere deutsche "politische Führer" schon lange nichts mehr verstehen.


Eine militärische Eskalation auf der Krim, welche von vielen Verantwortlichen in Europa gesehen wird, wird es nicht geben. Putin hat seine Gegner und deren Verhalten analysiert und er, sowie der russische Verteidigungsminister Sergei Kuschugetowitsch Schoigu, welcher sich in seiner beruflichen Karriere als Praktiker, Organisator und natürlich als Stratege hervorgetan hat, werden vermutlich fassungslos die Dummheit und Naivität "europäischer Heerführer" betrachten, welche durchaus in einem Debattier- oder Häkelclub Karriere machen könnten, nicht jedoch dort, wo es um die Interessen, den Schutz und die Sicherheit, sowie die Verteidigung ganzer Länder geht.

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Datenquelle1: Merkur.de (Ministerin Lambrecht will „Putin ins Visier nehmen“)

Datenquelle2: Russlandcontrovers.com (Putin sucht Europa)

Datenquelle3: FAZ.de (Gorbatschow: Nato-Erweiterung war 1990 kein Thema)

Datenquelle4: RT (Gorbatschow: USA ist "die Arroganz zu Kopf gestiegen" ...)

Datenquelle5: SZ (10.000 Soldaten aus den Grenzregionen Ukraine abgezogen)

Datenquelle6: Bild.de (Putins Wahnsinns-Forderungen an den Westen)

Bildnachweis1: Pixabay.com/robertwaghorn

Bildnachweis2: RZ (Das Bild: Vier Verteidigungsministerinnen)

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