Investigativer Journalismus und ...

... die Doktorarbeit von Ursula von der Leyen.

Investigativer Journalismus und die Doktorarbeit von Ursula von der Leyen.

Investigativer Journalismus, welcher nachforscht, aufklärt oder enthüllt, ist in einer Demokratie eine der Möglichkeiten, den Mächtigen auf die Finger zu schauen und um verhindern zu können, dass es einige Personen zu leicht haben, persönliche Vorteile aus ihren Positionen zu ziehen.


Der Journalismus in Deutschland ist jedoch leider wenig investigativ. Die Printmedien verlieren zusehends an Lesern und die Auflagenzahlen sind rückläufig, was natürlich auch zu einer Reduzierung von Arbeitsplätzen im redaktionellen Bereich führt. In den Onlinemedien verschwinden interessante Artikel oft hinter einer Bezahlsperre, können dann aber häufig, ein paar Tage später, auf anderen Plattformen frei nachgelesen werden.


Der Druck, welcher auf Journalisten lastet, ist sicherlich nicht ohne und deshalb wird leider zu oft nach dem Motto verfahren: "Was kümmert mich die Schlagzeile von gestern?". Man fühlt sich dahingehend bedrängt, dass man eine besondere mediale Leistung erbringen muss, welche den eigenen Arbeitgeber von anderen abheben kann - zumindest im Onlinegewerbe > für die nächsten paar Stunden. Hierunter leidet natürlich oft die Glaubwürdigkeit, aber auch die Qualität.


Vielleicht ist dies einer der Gründe, warum eher selten ausgiebig recherchiert wird und eher "schnelle Nachrichten", teilweise sogar mit Rechtschreibfehlern, veröffentlicht werden.


Das Verhalten von Ursula von der Leyen


Ursula von der Leyen ist diese Woche wegen eines knapp 50 Kilometer weiten Fluges im Privatjet, auf Kosten der EU-Steuerzahler, in die Kritik geraten. Sicherlich mag Frau von der Leyen über vielfältige Qualitäten verfügen, welche sie in ihrem Amt als Bundesverteidigungsministerin der Bundeswehr "zu Gute" hat kommen lassen, aber Bescheidenheit scheint offensichtlich keines ihrer persönlichen Attribute zu sein. Besonders erschreckend ist die Rechtfertigung ihres Sprechers welcher aussagte, das neben logistischen Schwierigkeiten die Sorge groß gewesen sei, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln mit dem Coronavirus anzustecken.


In diesem Beitrag geht es jedoch nicht um den Flug, die unnötige Umweltbelastung und die damit verbundene Ausnutzung von Privilegien, sondern um das, was sich im Jahr 2016 abgespielt hat.


Auch 2016 war Ursula von der Leyen in die Kritik geraten, wobei der Auslöser ihre Doktorarbeit gewesen ist. An der damaligen Bundesverteidigungsministerin perlten die Plagiatsvorwürfe bezüglich ihres Doktortitels jedoch noch stärker ab, als Regentropfen von ihrer "Teflon-Frisur".


Zum Zeitpunkt, als die Prüfer der MHH (Medizinische Hochschule Hannover) die Ergebnisse ihrer Plagiatsüberprüfungen offenlegten, verweilte von der Leyen für einen Vortag in den USA. Dies zeugt von einer gewissen Abgebrühtheit, denn normaler Weise würde man sich bei einer ausstehenden Entscheidung, welche durchaus Einfluss auf die persönliche Karriere nehmen könnte, in angespannter Haltung in Rufweite befinden.


Die Überprüfung ergab, dass Plagiate feststellbar waren, die Arbeit jedoch nur zu 20 Prozent als fehlerhaft eingestuft wurde. Die Gesamtumstände veranlassten den Präsidenten der Hochschule Baum, trotz der Feststellung von handwerklichen Fehlern in der Einleitung, den Doktortitel nicht abzuerkennen, da man keine "systematische Täuschungsabsicht" erkennen konnte.


Diese Aussage kann man so zur Kenntnis nehmen und den Vorgang dabei belassen.


Es sei denn, es gäbe noch investigative Journalisten, welche Zweifel an dem Verfahren und des "Freispruchs" von von der Leyen gehegt hätten. Dann hätten diesen Journalisten möglicher Weise überprüft, ob es nicht Verbindungen zwischen von der Leyen und der MHH gegeben hat. Und wären eben diese Journalisten ihren Gedankengängen nachgegangen und hätten nur 20 Minuten Zeit aufgewendet, hätten sie folgende Zusammenhänge herausfinden können:


  1. Die MHH verfügt mit MHH Plus über eine Förderstiftung, deren Aufgabe es u.a. ist, im Rahmen von Spenden etc. Gelder für die MHH zu besorgen. Der Hintergrund hierfür, welcher sicherlich sinnvoll erscheinen mag, ist in diesem Fall jedoch unbedeutend.

  2. Die Stiftung verfügt über ein Kuratorium, welches ihr beratend zur Seite steht.

  3. Ursula von der Leyen war in der Vergangenheit Mitglied dieses Gremiums. Ob sie es noch heute ist, kann nicht gesagt werden, da das Kuratorium ursprünglich aus 11 Personen bestanden hat, jetzt jedoch nur noch 8 Personen aufgeführt werden. Zum Zeitpunkt der Plagiatsüberprüfung war von der Leyen jedoch noch mit Einzelfoto auf der Seite enthalten.

  4. Es gibt immer noch ein Gruppen-Vorschaubild des Gremiums, auf welchem von der Leyen abgebildet ist (aus urheberrechtlichen Gründen wird das Bild hier nicht angezeigt).

  5. Wie ist es zu bewerten, wenn eine Institution über die Richtigkeit einer Doktorarbeit einer bestimmten Person entscheiden soll, wenn eben diese Person Mitglied einer internen Einrichtung ist, welche die Persönlichkeit und die Möglichkeiten der Person für eigene Zwecke einsetzt, um damit an Gelder zu gelangen, welche sie sonst nicht erhalten würde?


Eine mögliche Befangenheit der MHH ist das eine, aber böse Zungen könnten jetzt einen Korruptionsverdacht ins Spiel bringen und strafbewährte Delikte zitieren. Da wir jedoch Vertrauen in unsere Strafverfolgungsbehörden haben und diese, bei einem Anfangsverdacht einer Straftat von sich aus, sprich von Amts wegen, Ermittlungen einleiten würden, muss konstatiert werden, dass hier offensichtlich kein strafrechtlich relevantes Verhalten vorgelegen haben mag.


Neben einem faden Beigeschmack, welcher hier durchaus übrigbleiben mag sei noch erwähnt, dass Ursula von der Leyen aus dem Hause des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht stammt. Verwicklungen oder Einflussnahmen Seitens von Politik auf die Justiz können jedoch grundlegend ausgeschlossen werden, da allein schon durch die in Deutschland bestehende Gewaltenteilung so etwas unmöglich wäre.

Datenquelle1: Tagesspiegel.de/Von der Leyen fliegt 50 Kilometer im Privatjet

Datenquelle2: JungeFreiheit.de/Von der Leyen rechtfertigt Kurzstreckenflug mit Corona-Bedenken

Datenquelle3: aerzteblatt.de/Plagiatsvorwürfe: Von der Leyen darf Doktortitel behalten

Datenquelle4: spiegel.de/Darum darf von der Leyen ihren Doktor behalten

Datenquelle5: MHH-Förderstiftung

Datenquelle6: MHH-Förderstiftung - Eingangsseite mit Vorschaubild der Mitglieder

Bildnachweis: Pixabay.com/Shutterbug75

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